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Der Pflege-Bahr – staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung

Versicherungsnehmer zahlen mindestens zehn Euro monatlich, der Staat steuert fünf Euro pro Monat bei. Diese Zahlen unterstreichen vor allem einen Aspekt des Pflege-Bahrs: Das Modell ist bewusst so konzipiert, dass schon mit einem vergleichsweise geringen Einsatz private Vorsorge für den Pflegefall betrieben werden kann. Denn bislang lag es hauptsächlich an den hohen Beiträgen, dass die Sparte Pflegezusatzversicherungen schwächelte und kaum wahrgenommen wurde. Diese Talsohle möchte das Bundesgesundheitsministerium mit dem Pflege-Bahr hinter sich lassen, indem finanzielle Anreize gesetzt werden.

Für wen ist der Pflege-Bahr?

Der monetäre Aspekt nimmt beim Pflege-Bahr sicherlich eine zentrale Rolle ein. Der eigentliche Vorteil basiert allerdings weniger auf den Fördermitteln, sondern auf den Rahmenbedingungen, die der Gesetzgeber abgesteckt hat. Sie sind sehr großzügig ausgelegt, damit das Modell auf breiter Ebene greifen kann. Heißt: Die Policen können von jedem abgeschlossen werden,

  • der mindestens 18 Jahre alt ist,
  • noch keine Leistungen aus einer Pflegeversicherung erhält
  • und in die gesetzliche oder eine private Pflegeversicherung einzahlt.

Gesundheitsprüfungen, Leistungsausschlüsse und Risikozuschläge sind bei den geförderten Policen nicht gestattet. Damit erweitert sich der Kreis potenzieller Nutzer auch auf jene Personen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen oder Vorerkrankungen bislang keine Chance hatte, günstig oder überhaupt Pflegevorsorge zu betreiben.

Welche Mindeststandards gelten im Leistungsfall?

Die Wartezeit bei Pflege-Bahr-Verträgen beläuft sich auf maximal fünf Jahre. Sie gibt den frühestmöglichen Termin an, ab dem Leistungen aus der Police abgerufen werden können – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. In Pflegestufe 0 sieht das Regelwerk monatlich mindestens 60 Euro vor, in Pflegestufe I 120 Euro, in Pflegestufe II 180 Euro und in Pflegestufe III 600 Euro. Dabei müssen die Policen als Pflegetagegeldversicherung ausgelegt sein. Der Versicherungsnehmer erhält in der höchsten Pflegestufe demnach 20 Euro pro Tag, über die frei verfügt werden kann – zum Beispiel für Hilfs- und Heilmittel oder ambulante Dienste. Modelle wie die Pflegerentenversicherung werden hingegen nicht gefördert.

Kosten und Verwaltung

Diese Werte spiegeln den Mindeststandard wider. Verbraucher, die mehr Geld in die Police einzahlen, erhalten im Pflegefall ein entsprechend höheres Tagegeld, das nach oben hin allerdings gedeckelt wurde. Als Grenzlinie dienen die Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung. Ebenfalls klar umrissen sind die Kosten und die Organisation. Für den Abschluss und die Verwaltung dürfen die Assekuranzen maximal zwei Monatsbeiträge erheben – üblich sind sonst bis zu neun. Sie sind zudem verpflichtet, sich um die Zuschüsse zu kümmern. Der Kunde muss also nur noch den Vertrag unterschreiben und die Beiträge zahlen. Den "Papierkram" für die Förderung übernimmt die Versicherung.

Schwierige Kalkulation

Klingt gut, birgt aus Sicht von Versicherungsexperten aber ein Problem: die Kalkulation. Sollten sich viele kranke und ältere Kunden für den Pflege-Bahr entscheiden, könnte das aus Sicht des Bundes der Versicherten (BdV) rasant steigende Beiträge nach sich ziehen. Ob dem so ist, wird die Zukunft zeigen. Noch (Stand Februar 2013) ist die staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung recht jung und wird auch nur von wenigen Gesellschaften angeboten. Das dürfte sich bald ändern, denn Pflegezusatzversicherungen bergen ein enormes Potenzial. Das gilt vor allem mit Blick auf die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen den tatsächlichen Kosten und den staatlichen Leistungen im Pflegefall. Gezielte Vorsorge mit dem Pflege-Bahr kann diese Lücke schließen. Deshalb ist das Produkt durchaus empfehlenswert – und zwar für jeden. Um möglichst gut und günstig abgesichert zu sein, führt allerdings auch bei dieser Police kein Weg an einem Versicherungsvergleich vorbei.

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