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Pflegeversicherung

Kann man den aktuellen Statistiken vertrauen, dann sind heute rund zwei Millionen Pflegebedürftige auf die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung angewiesen. Die meisten von ihnen werden entweder durch die Familie selbst oder durch andere Personen versorgt. Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zwingen auch immer mehr jüngere Menschen „in die Knie“, sprich für viele bedeutet dies, Jahre oder gar Jahrzehnte auf die Pflege durch die Familie angewiesen zu sein. Wer auf die Versorgung von Pflegeheimen, Pflegestationen oder Altenheime angewiesen ist, für den wird es teuer. Denn wie bei allen gesetzlichen Leistungen können auch in der gesetzlichen Pflegeversicherung nur Standardleistungen finanziert werden. Doch genau diese Leistungen entsprechen weder der Lebensführung eines Menschen noch dem Anspruch des Leistungsempfängers. Betroffenen droht hier schnell das Abseits ins Aus.

Mit privater Pflegeversicherung Versorgungslücken auffüllen

Zwar gibt es innerhalb der Pflege bestimmte Pflegestufen, und es existiert auch ein festgelegtes Leistungsvolumen. Doch im Ernstfall sind dies alles unbekannte Größen, auf die sich heute ein gesunder Mensch nicht mehr einlassen kann. Menschen brauchen heute mehr denn je die Garantie, eine optimale Pflege bei Eintritt des Versicherungsfalles zu erhalten. Deshalb haben alle Pflichtversicherten die Möglichkeit, mit einer privaten Pflegeversicherung die sozialen Schwachpunkte der „Gesetzlichen“ auszugleichen. Personen, die eine private Krankenvollversicherung abgeschlossen haben, haben die Möglichkeit, eine solche Pflegezusatzversicherung in ihren Tarif einzuschließen. Für privat versicherte Selbständige oder Freiberufler ist diese Zusatzabsicherung fast schon ein Muss.

Niemand ist heute als gesunder Mensch in der Lage, zu beurteilen, welche Art von Pflege einmal später in Anspruch genommen werden muss – sei es ambulant oder stationär. Dafür kann aber bereits heute gesagt werden, dass die tatsächlichen Kosten im ambulanten wie im stationären Bereich den Pflegebedürftigen weitaus höher kommen. Keine Pflegeversicherung wird diese enormen Kosten übernehmen können, bedenkt man, dass heut bereits ein Platz in einem Pflegeheim rund 3.500 Euro pro Monat kostet. Selbst im Härtefall übernähme die gesetzliche Pflegeversicherung für diesen Fall nicht einmal 2.000 Euro. Noch geringer wäre die Kostenübernahme bei der Pflegestufe III mit rund 1.500 Euro. 

Pflegestufe Pflegegeld Sachleistungen Stationär
I 225,- Euro 440,- Euro 1.023,- Euro
II 430,- Euro 1.040,- Euro 1.279,- Euro
III 685,- Euro 1.510,- Euro 1.510,- Euro
Härtefall   1.918,- Euro 1.825,- Euro


Betroffene wären in diesem Fall angehalten, die verbleibenden 1.500 Euro aus eigener Tasche zu bezahlen. Viele werden jetzt sagen: Es gibt auch noch eine Rente. Das ist richtig. Nur reicht auch diese in den seltensten Fällen aus. Jetzt sind neben dem Sozialamt auch die Angehörigen des Pflegenden gefragt. Ehepartner und Kinder müssen nun bezahlen.

Grundsätzlich kann die gesetzliche Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden, wenn für den Betroffenen für mindestens sechs Monate Hilfe benötigt wird. Als Hilfe zählen das Essen, Waschen, das An- und Ausziehen sowie die Versorgung des Haushalts. Eine weitere Voraussetzung für die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit ist zudem, dass die Hilfe mindestens 90 Minuten am Tag notwendig ist, hiervon müssen dann aber auch noch maximal 45 Minuten für die so genannte Grundpflege verwendet werden. Als Grundpflege zählen Tätigkeiten wie Körper-pflege, Mobilität und Essen. Je nach Pflegebedürftigkeit erhalten Betroffene dann unterschiedliche Pflegestufen mit unterschiedlichen Leistungen. Wie aus der nachfolgenden Aufzählung ersichtlich, wird zwischen drei Pflegestufen unterschieden. Pflegebedürftige in Stufe III benötigen hier schon eine fünfstündigen Pflegebedarf (eingerechnet ein maximaler Grundpflegeanspruch von 4 Stunden).

  • Pflegestufe I : Erheblich pflegebedürftig
  • d.h. mindestens 90 Minuten pro Tag Hilfebedarf. Auf die Grundpflege müssen mehr als 45 Minuten täglich entfallen.
  • Pflegestufe II : Schwer pflegebedürftig
  • d.h. mindestens 180 Minuten pro Tag Hilfebedarf. Auf die Grundpflege müssen mindestens 120 Minuten täglich entfallen.
  • Pflegestufe III : Schwerst pflegebedürftig
  • d.h. mindestens 300 Minuten pro Tag Hilfebedarf. Auf die Grundpflege müssen mindestens 240 Minuten täglich entfallen

Entlastung für Angehörige

Mit Hilfe des Pflegegeldes aus der Pflegeversicherung können Familienangehörige dann entsprechend für die Pflege der hilfebedürftigen Person aufkommen. Neben der Familie besteht für alle auch noch die Möglichkeit, professionelle Hilfe in Form eines Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen. Auch kann eine so genannte Kostenteilung vorgenommen werden, in dem zu einem prozentualen Satz die Familienangehörigen pflegen, den Rest hingegen die Pflegedienste über-nehmen. Ist dies nicht mehr möglich, erhält der Betroffene eine Hilfe für das Pflegeheim (bspw. Kurzzeitpflege).

Umbaumaßnahmen und Ersatzpflege

Die Pflegeversicherung springt auch ein für den Fall, dass das Haus umgebaut werden muss, gleiches gilt für technische Hilfsmittel, die der Pflegebedürftige benötigt. Nehmen die pflegenden Familienangehörigen einmal Urlaub, stellt die Pflegeversicherung eine Ersatzpflegekraft. Insgesamt ist zu beachten, dass vorübergehend akute Erkrankungen nicht zu einer höheren Einstufung führen. Im Umkehrschluss bleiben auch alle vorübergehenden Besserungen des Grades der Pflegebedürftigkeit unberücksichtigt. Hier gilt der Grundsatz: Eine Erkrankung oder Besserung des Pflegegrades ist dann nicht mehr vorübergehend, wenn sie nach drei Monaten immer noch anhält.

Worauf Sie bei Abschluss einer Pflegezusatzversicherung achten sollten

  • Volle Leistung auch bei Laienpflege (z.B. durch Angehörige)
  • Einmalauszahlung bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit
  • Leistungs-/ Nachversicherungsgarantie bei gesetzlichen Änderungen
  • Dynamisierung im Leistungsfall
  • Option auf Höherversicherung auch im Pflegefall
  • Verzicht auf Wartezeiten / Karenzzeiten

Soll als Alterswohnsitz das Ausland gewählt werden, so macht eine Versicherungslösung über eine Pflegeversicherung wenig Sinn, da die meisten Versicherer im Ausland entweder gar keine oder nur begrenzte Leistungen anbieten. In den meisten Fällen endet das Vertragsverhältnis bei Wegzug ins Ausland.

Pflegeleistungen erst ab Antragstellung

Die Leistungen der Pflegekasse werden gem. § 33 Abs. 1 SGB XI erst ab Antragsstellung gewährt, wenn die Anspruchsvoraussetzungen (Pflegebedürftigkeit) zu diesem Zeitpunkt vorliegen. Wenn die Pflegebedürftigkeit bereits bei Antragstellung vorlag, werden Leistungen allerdings rückwirkend nur ab dem Beginn des Monats der Antragstellung gewährt. Gleiches gilt für Anträge auf Gewährung eines höheren Pflegegeldes wegen Erhöhung des Pflegebedarfs (andere Pflegestufe). Bei stationärer Pflege wird nur in Aufenthalten in konzessionierten oder öffentlichen Tagespflegestätten geleistet. Aufnahmefähig sind zudem nur gesunde Personen, die das 60. Lebensjahr noch nicht überschritten und die ihren ständigen Wohnsitz im Tätigkeitsbereich des Versicherers haben.

Wer als freiwillig krankenversicherte Person Beihilfeansprüche nach beamtenrechtlichen Grundsätzen oder Vorschriften besitzt und dessen private Pflegeversicherung das Restrisiko abdeckt, d.h. die Beihilfeleistungen und die Leistungen der privaten Pflegeversicherung zusammen den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung entsprechen, kann sich entsprechend befreien lassen. Personen, die bei einem privaten Krankenversicherer mit Anspruch auf die allgemeinen Krankenhausleistungen (stationärer Tarif) versichert sind, sind zum Abschluss einer privaten Pflegepflichtversicherung verpflichtet. Der Versicherungsschutz muss sich dabei auf eine so genannte Krankheitskosten-Vollversicherung beziehen, denn lediglich eine private Zusatzversicherung reicht hier keinesfalls aus.

Bestehen Tarife einer Krankheitskostenvollversicherung bei mehr als einem privaten Krankenversicherer, dann ist es stets ratsam, die private Pflegepflichtversicherung bei demjenigen Versicherer abzuschließen, der auch den stationären Tarif versichert hat.

Private Versicherungsunternehmen sind verpflichtet, Pflegeversicherungsverträge anzubieten, die vom Zeitpunkt des Eintritts der Versicherungspflicht an alle Leistungen vorsehen, die nach Art und Umfang den Leistungen der sozialen Pflegeversicherung gleichwertig sind. Dies gilt dabei nicht nur für das Mitglied selbst, sondern vielmehr auch für Familienangehörige, für die bei Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung ein Anspruch auf Familienversicherung bestünde. Vorgesehen werden kann ferner eine zuschlagfreie Mitversicherung der Kinder des Versicherungsnehmers.

Kostenfreie Mitversicherung von Familienangehörigen

Familienangehörige von in der sozialen Pflegeversicherung versicherten Personen sind unter den gleichen Voraussetzungen wie in der GKV auch in der sozialen Pflegeversicherung mit versichert. Auf diese Weise können neben dem Ehegatten auch die Kinder kostenfrei in der sozialen Pflegeversicherung familienversichert werden. Gleiches gilt für Kinder, die wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung außerstande sind, sich selbst zu unterhalten.

Schwierigkeiten können sich bei psychisch kranken, geistig behinderten oder altersdementen Menschen einstellen, wenn sie sich nicht selbständig äußern können. I.d.R. ist dann die Bestellung eines gesetzlichen Betreuers durch das Vormundschaftsgericht notwendig, der dann als gesetzlicher Vertreter des Betroffenen den entsprechenden Antrag stellt bzw. die Rechte des Betroffenen durchsetzt und wahrt.

Pflegetagegeld individuell wählbar

Die Höhe des Pflegetagegelds können Sie individuell wählen (in 5-Euro-Stufen bis maximal 100 Euro pro Tag). Um der Kostenentwicklung stand zu halten, erfolgt auf Wunsch des Versicherten alle 3 Jahre eine dynamische Anpassung. Für die Wahl der richtigen Tarifform der Pflegeversicherungen sind somit stets die individuellen Präferenzen und Zielsetzungen entscheidend.

Wie die passende Pflegeversicherung finden?

Bei der Auswahl geeigneter Pflege(zusatz)versicherungen helfen unabhängige Makler mit kostenlosen und unverbindlichen Vergleichen. Einen solchen Vergleich bzw. eine kostenlose Beratung können Sie nachfolgend anfordern, wobei die Versicherungsvermittlung über die Finanzen.de AG erfolgt.