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Steuerliche Absetzbarkeit der Eigenanteile in der GKV/PKV

Sind alle Leistungen steuerlich absetzbar?

Grundsätzlich sind alle Leistungen, die Versicherte aus ihrer eigenen Tasche bezahlen, sowohl als Sondersausgaben als auch als außergewöhnliche Belastungen im Rahmen der Jahressteuererklärung abziehbar. Dies gilt neben den Leistungen in eine gesetzliche Kasse ebenso für alle Aufwendungen in eine private Krankenversicherung. Abziehbar sind demnach auch alle Kosten, die der Vorbeugung, Linderung oder Beseitigung einer Krankheit dienen. Wer bspw. an einer Allergie leidet, hat daher auch die Möglichkeit, ein Allergiker-Bett samt Ausstattung steuerlich geltend zu machen. Auch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Ozon- und Delfintherapie, Ayurveda oder die Feldenkrais-Therapie können von der Steuer abgesetzt werden, obwohl sie vielfach vom wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer nicht allgemein anerkannt sind. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist lediglich ein ärztliches Attest von einem Amtsarzt.

Private Zuzahlungen durch Zahlungsbeleg nachweisen

Steuerlich geltend gemacht werden können auch alle Zuzahlungen für rezeptpflichtige Medikamente, die gesetzlich Krankenversicherte aufbringen müssen. Diese Absetzbarkeit galt jedoch bislang nicht für frei verkäufliche Medikamente wie zum Beispiel Grippe- und Erkältungsmittel. Das Bürgerentlastungsgesetz sorgt seit 2011 dafür, dass auch Aufwendungen für genau diese Medikamente steuerlich abgesetzt werden können, vorausgesetzt, man sammelt entsprechend alle Quittungen.

Auch in der privaten Krankenversicherung werden – je nach Tarif – auch nicht alle Kosten für Arzneimittel oder Behandlungen übernommen. Deshalb können all diejenigen Zuzahlungen, die von der Police nicht gedeckt werden, entsprechend steuerlich geltend gemacht werden. Auch hier ist die Vorlage der Zahlungsbelege erforderlich.

Wirksame Medikamente für unheilbar Kranke

Steuerliche Vorteile genießen auch alle schwer oder unheilbar Erkrankten. Sie haben die Möglichkeit, auch Medikamente, die in Deutschland noch nicht zugelassen sind, von der Steuer abzusetzen. Voraussetzung: Die Medikamente müssen als medizinisch wirksam und Erfolg versprechend eingestuft werden. Die Absetzbarkeit von Viagra, der Pille oder Präparate zum Gewichtsverlust erfordern eine medizinische Indikation.

Kurkosten infolge Arbeitsunfalls

Kosten für eine Kur sind dann von der Steuer absetzbar, wenn deren Grund in einem Arbeits-, Arbeitswegeunfall oder in einer beruflich bedingten Krankheit liegt. In diesem Fall berechnet das Finanzamt auch keinen zumutbaren Eigenanteil (s. Tabelle).

  Gesamtbetrag der Einkünfte Eigenanteil bis 15.340 Euro Eigenanteil bis 51.130 Euro Eigenanteil über 51.130 Euro
Gesamtbetrag der Einkünfte Eigenanteil bis 15.340 Euro Eigenanteil bis 51.130 Euro Eigenanteil über 51.130 Euro  
Single 5 Prozent 6 Prozent 7 Prozent  
Ehepaar ohne Kinder 4 Prozent 5 Prozent 6 Prozent  
Ehepaar bis zwei Kinder 2 Prozent 3 Prozent 4 Prozent  
Ehepaar ab drei Kinder 1 Prozent 1 Prozent 2 Prozent  

Quelle: Einkommensteuergesetz

Wer gesund ist und eine Brille von der Steuer absetzen will, benötigt hierfür ein Attest von seinem Amtsarzt. Kranke und Behinderte hingegen können die Kosten für Brille und Kontaktlinsen problemlos steuerlich geltend machen. Auch die Kosten für ein Fitnessstudio sind absetzbar, vorausgesetzt, der Hausarzt bescheinigt dem Teilnehmer, dass eine bestimmte Sportart medizinisch notwendig ist. Auf diese Weise kann zum Beispiel ein Rückentraining durch einen Arzt oder eine zur Heilkunde zugelassene Person durchgeführt werden. Die Kosten einer Geburt (Geburts-vorbereitung, unterstützende homöopathische Arzneimittel, Kosten für die Geburtsvorbereitung, Nachsorge, Hebamme usw.) sind nach Abzug des zumutbaren Eigenanteils steuerlich absetzbar.

Da die gesetzlichen Kassen für die meisten Heilbehandlungen (Zahnersatz, Zahnbehandlungen) nicht mehr zahlen, dürfen seit dem 01.01.2010 alle nicht von der Krankenkasse übernommenen Kosten von der Steuer abgesetzt werden. Dabei spielt es dann auch keine Rolle, welches Material verwendet wurde. Und es wird auch nicht nachgefragt, ob es eigentlich nicht eine preiswertere Alternative gegeben hätte. Hierunter fallen selbst die Kosten für einen Heilpraktiker, sofern die Notwendigkeit durch einen Amtsarzt bescheinigt wird. Heilmittel wie Krankengymnastik, Massagen, Fango, Bewegungstherapie, Sprachtherapie oder Ergotherapie können infolge eines ärztlichen Attests als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden.

Gleiches gilt für Hilfsmittel wie Brillen, Kontaktlinsen, Prothesen, Hörgeräte, Schuheinlagen sowie alle baulichen Maßnahmen, die einen Wohnraum behindertengerecht gestalten. Wird die Notwendigkeit attestiert, sind die Kosten absetzbar. Kranke und Behinderte benötigen dieses Attest nicht. Nicht selten sind Kinder nicht wegen erzieherischen Maßnahmen, sondern ausschließlich aus einem medizinischen Grund in einem Internat untergebracht. Steht also die Heilbehandlung im Vordergrund, dürfen Eltern auch die hierfür anfallenden Kosten steuerlich geltend machen. Nicht absetzbar sind die Kosten für ein Internat, wenn die schulische Ausbildung im Vordergrund steht. Auch in diesem Fall wird von den Aufwendungen der zumutbare Eigenanteil abgezogen. Kosmetische Operationen, in denen Missbildungen oder Brustverkleinerungen behandelt werden, sind absetzbar, wenn dies medizinisch indiziert erscheint. Gleiches gilt, wenn eine Operation dazu dient, um etwaige psychische Probleme zu beheben.

Von der Steuer absetzbar sind auch diejenigen Kosten, die die Krankenkasse bei einem Klinikaufenthalt nicht übernimmt. Nach Abzug des zumutbaren Eigenanteils können diese Kosten dann als außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Auch Besuche, die für den Patienten förderlich sind (also seiner Genesung dienen), sind absetzbar (z.B. Fahrtkosten). Dies muss allerdings durch den Klinikarzt bescheinigt werden. Liegt in einer Krankheit des Mannes die Ursache für eine Kinderlosigkeit, sind auch hier die Kosten einer künstlichen Befruchtung von der Steuer absetzbar. Um die Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen, müssen die Partner nicht zwingend verheiratet sein.

Obwohl ein ärztliches Attest bzw. eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, zahlen viele Krankenkassen nicht die Aufwendungen für einen Kuraufenthalt. Personen, die dem Finanzamt eine medizinische Notwendigkeit vorlegen können, dürfen die Kosten hierfür bei der Steuer geltend machen. Das Bürgerentlastungsgesetz sorgt auch für eine Absetzbarkeit einer Laser-OP (z.B. Augen-Laser-OP). Nach Abzug des zumutbaren Eigenanteils dürfen die Kosten als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Zum Schluss gibt es auch noch so etwas wie eine Praxisgebühr, die gesetzlich Versicherte in jedem Quartal bezahlen müssen. Selbstverständlich können auch diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden.

Nachweiserleichterung von Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen

Nach bisherigem Recht waren Aufwendungen für Krankheitskosten nach § 33 EStG nur abzugsfähig, wenn die medizinische Indikation der jeweiligen Behandlung durch ein amts- bzw. vertrauensärztliches Gutachten oder Attest eines anderen öffentlichen Trägers nachgewiesen wurde. An dieser eigenen gefestigten Rechtsprechung hält der BFH durch das vorliegende Urteil nicht mehr länger fest und ändert in diesem Zusammenhang seine Rechtsprechung. Aufgrund fehlender Sachkunde muss das Finanzgericht dann in solchen Fällen von Amts wegen ein entsprechendes Gutachten einholen. (BFH, Urteile v. 11.11.2010, Az.: VI R 17/09 u. VI R 16/09)

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