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Krankenkasse wechseln

Unterschiedliche Beitragssätze waren für Versicherte früher ein Grund, ihre gesetzliche Kasse zu wechseln. Auf Grund des einheitlichen Beitragssatzes spielt dieser Punkt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Heute zählen Leistungsunterschiede, Prämien, Wahltarife und Zusatzbeiträge als Grund für einen Ausstieg. Denn seit dem Start des Gesundheitsfonds haben viele Kassen Anstrengungen unternommen, sich von ihren Wettbewerbern durch explizite Sonderleistungen abzuheben.

Kassenwechsel nach 18 Monaten möglich

Grundsätzlich ist ein Krankenkassenwechsel immer dann möglich, wenn der Versicherte in seiner alten Kasse mindestens 18 Kalendermonate versichert war. Für diesen Fall beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate zum Monatsende – und zwar gerechnet von dem Monat an, in dem die Kündigung gegenüber der alten Kasse durch den Versicherungsnehmer erklärt wird. Dadurch wird eine Kündigung der Mitgliedschaft zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats möglich (gerechnet von dem Monat an, in dem der Versicherungsnehmer seine Kündigung erklärt. Beispiel: Erfolgt die Kündigung am 15.01.2011, endet die Mitgliedschaft für den Versicherten am 31.03.2011. Der Beginn der Mitgliedschaft in der neuen Kasse ist somit der 01.04.2011. Gleiches gilt bei einem Arbeitgeberwechsel, auch hier sollte der versicherte vorausschauend wirksam kündigen. Wer hingegen weiterhin Mitglied in seiner alten Kasse bleiben möchte, benötigt lediglich einen Mitgliedsbescheinigung für seinen neuen Arbeitgeber.

Sonderkündigungsrecht bei Zusatzbeiträgen

Erheben die Krankenkassen Zusatzbeiträge, kann der Versicherte von seinem Sonderkündigungsrecht Gerbrauch machen, d.h. außerordentlich kündigen. Dieses Sonderkündigungsrecht besteht allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Zusatzbeitrag fällig wird. Wechselwillige sollten auf diese Frist achten, denn die Kasse muss die Erhöhung lediglich einen Monat vorher (!) bekannt geben. Wer freiwillig versichert ist, kann von seiner 18-monatigen Kündigungsfrist auch nicht Gebrauch machen. Dieser Personenkreis erfüllt nämlich entweder die Voraussetzungen der Familienversicherung oder aber sie sind im Begriff, eine private Krankenversicherung abzuschließen. Die 18-Monats-Frist gilt zudem auch nicht für all diejenigen, bei denen innerbetrieblich eine Betriebs- oder Innungskrankenkasse eingerichtet werden soll.

Wechselwillige sollten zudem einen Blick in die Satzung ihrer bisherigen Krankenkasse werfen. Denn auch diese kann vorschreiben, dass im Falle eines Kassen- bzw. Kassenartwechsels diese Bindungsfrist nicht gilt. In allen anderen Fällen haben Versicherte einer Krankenkasse ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihre Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erstmalig erhebt, einen bestehenden Zusatzbeitrag erhöht oder eine Prämienausschüttung reduziert.

Beispiel: Erfolgt eine Ankündigung der Anhebung des Zusatzbeitrags am 01.07.2011, wird der Zusatzbeitrag erstmalig zum 01.10.2011 fällig. Die Kündigung der Krankenkasse durch den Versicherten hat daher bis spätestens zum 30.09.2011 zu erfolgen. Die Mitgliedschaft endet in der vorherigen Kasse entsprechend zum 30.11.2011, die neue Mitgliedschaft in der neuen Kasse beginnt am 01.12.2011.

Kein Sonderkündigungsrecht bei Wahltarifen

Nicht kündigen können trotz des Zusatzbeitrags all diejenigen, die einen Wahltarif bei ihrer Krankenkasse nutzen. Das sind z.B. diejenigen, die sich in den Selbstbehalttarifen eingeschrieben haben! Diese sind von Beginn der Nutzung des Wahltarifs für drei Jahre fest an ihre Krankenkasse gebunden und müssen auch den Zusatzbeitrag ohne wenn und aber zahlen! Einzig ausgenommen von dieser dreijährigen Bindefrist bei einem Zusatzbeitrag sind laut § 53 SGB V Abs. 8 die Versicherten, die sich für bestimmte Versorgungsformen eingeschrieben haben wie z.B. Modellvorhaben, DMP, Integrierte Versorgung und vor allem auch die Hausarztzentrierte Versorgung. Wer sich also etwa für einen Hausarzttarif eingeschrieben hat, ist nicht drei Jahre an die Kasse gebunden, sondern kann sein Sonderkündigungsrecht wahrnehmen! In diesem Fall kann der Wechsel erst nach 3 Jahren durchgeführt werden, die Kündigungsfrist beträgt aber auch hier zwei Monate zum Monatsende.

Kündigung nur in schriftlicher Form

Die Kündigung selbst sollte stets schriftlich erfolgen. Entweder per Einschreiben mit Rückschein oder der Versicherte gibt die Kündigung persönlich bei seiner Kasse ab und lässt sich den Erhalt auf einer Kopie bestätigen. Nur so können Versicherte auch die fristgerechte Kündigung nachweisen. Die Krankenkasse selbst ist nunmehr angehalten, innerhalb von 14 Tagen nach Eingang der Kündigung dem Versicherungsnehmer eine Kündigungsbestätigung zuzusenden. Wird diese Frist überschritten, sollte umgehend bei der Kasse nachgefragt werden.

Kassenwechsel bietet mehrere Möglichkeiten

Wer versicherungspflichtig ist, hat beim Wechsel mehrere Möglichkeiten, die Wahl seiner künftigen Kasse zu bestimmen. Zum einen bietet sich die Ortskrankenkasse im jeweiligen Beschäftigungs- bzw. Wohnort an. Eine weitere Möglichkeit ist die Wahl einer Ersatzkasse am jeweiligen Beschäftigungs- oder Wohnort (Satzung der Kasse beachten). Zudem ist auch ein Wechsel in eine Betriebs- oder Innungskrankenkasse möglich, wenn der Versicherte in dem Betrieb beschäftigt ist, für den die Betriebs- oder Innungskrankenkasse besteht. Gleiches gilt, wenn diese Kasse entsprechend einer Satzungsregel für den jeweiligen Wohn- bzw. Beschäftigungsort geöffnet ist.

Neue Mitgliedsbescheinigung zum Arbeitgeber

Versicherte sollte unbedingt beachten, dass die Mitgliedschaft bei ihrer alten Krankenkasse erst zu dem Zeitpunkt beendet ist, wenn die neue Krankenkasse das Zustandekommen der Mitgliedschaft diesem gegenüber auch schriftlich bestätigt. Diese Bescheinigung ist dann innerhalb der Kündigungsfrist beim Arbeitgeber vorzulegen. Wer freiwillig versichert ist, muss die Mitgliedsbescheinigung innerhalb der Kündigungsfrist seiner bisherigen Krankenkasse vorlegen. Nur dann kommt eine wirksame Kündigung zustande. Wer bezüglich des Zusatzbeitrags seine Kasse wechselt, sollte sich unbedingt von seiner künftigen Krankenkasse bestätigen lassen, dass die Bedingungen hinsichtlich der Nichterhebung eines Zusatzbeitrages  zum Zeitpunkt des Eintritts auch entsprechend in der Zukunft gelten.

Mit der neuen Mitgliedschaftsbescheinigung, die der Versicherte seinem Arbeitgeber vorgelegt hat, ist es nunmehr Aufgabe des Arbeitgebers, den Versicherten bei seiner alten Kasse ab- und bei der neuen Kasse anzumelden. Wer hier nicht für eine rechtzeitige Vorlage der Mitgliedschaftsbescheinigung beim Arbeitgeber sorgt, muss seine Mitgliedschaft in der alten Kasse fortsetzen. Denn eine verspätete Kündigung ist vom Grundsatz her stets unwirksam.

Unterschiedliche Bestimmungen für einen Kassenwechsel

  • Wer mit seinem Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, ist in der gesetzlichen Kasse versichert und hat dabei die freie Kassenwahl. Eine Mitgliedschaft kann nach 18 Monaten zum Ende des übernächsten Monats beendet werden.
  • Für freiwillig Versicherte ist ein Wechsel hingegen jederzeit zum Ende des übernächsten Monats möglich. Besteht Anspruch auf Familienversicherung oder ist ein Wechsel in die PKV geplant, entfällt die 18-monatige Bundesfrist.
  • Selbständige und Freiberufler wechseln mit denselben Fristen wie freiwillig Versicherte.
  • Studenten ohne Anspruch auf Familienversicherung sind gesetzlich pflichtversichert. Im Anschluss daran kann ein freiwilliger oder privater Status gewählt werden.
  • Die Kündigungsfrist für Beamte entspricht der von freiwillig Versicherten.

 

Fazit: Die gesetzlichen Kassen bieten heutzutage weder eine leistungs- noch eine gesundheitsorientierte Gesundheitskostenvorsorge. Nicht selten kommt es aufgrund der eingeschränkten Untersuchungs- und Therapieformen zu einem allgemeinen Gesundheitsrisiko. Dabei haben die Mitglieder der gesetzlichen Kassen nicht nur mit Beitragserhöhungen, sondern auch mit ständig wachsenden Selbstbeteiligungen bei Arznei- und medizinischen Hilfsmitteln zu kämpfen. Kommt es zu einem Krankheitsfall, wird die Haushaltskasse überdimensional belastet. Im Gegensatz bieten hier die Privaten Krankenversicherer immer noch ein interessantes Kosten-/Nutzenverhältnis an. Da hilft selbst der Wechsel in die freiwillige Versicherung nicht mehr, denn sie haben nicht nur denselben Leistungskatalog wie gesetzlich Versicherte, sie zahlen auf Grund ihres Einkommens einen noch höheren Beitrag.

Anbieter von Krankenversicherungen gibt es zur Genüge, nur selten halten Aussagen wie „Billig-Tarif“, „Günstigste Kasse bundesweit“ oder „Mehr Leistung geht nicht“ etc. auch den Tatsachen stand. Jede gute Leistung hat heute ihren Preis. Und ob Preis und Leistung stimmen, erkennt man dann, wenn das Preis-/Leistungsverhältnis offen gelegt wird.

Vergleich auch bei den gesetzlichen Krankenkassen sinnvoll

Wer einen Kassenwechsel anstrebt, sollte auch bei den gesetzlichen Krankenkassen genauer hinschauen und sämtliche Anbieter miteinander vergleichen. Zwar ist der Beitragssatz überall gleich, allerdings können sich Leistungsumfänge und Zuzahlungen ganz erheblich unterscheiden.

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